Karneval der Missvergnügten!
Im ganzen Lande wütet die Seuche!
Es ist nicht der Typhus. Es ist der Humor.
Die Leute lieben gewesene Bräuche
und tragen falsche Barte und Bäuche
und spiegeln den Spiegeln was vor.
Sie ducken sich unter geborgte Perücken,
damit das Schicksal sie nicht erkennt.
Sie suchen sich laut beiseitezudrücken.
Sie schminken die Sorgen auf ihren Rücken
und lachen mit fremdem Akzent.
Sie lachen, als wären sie krank vor Gelächter,
und wurden doch gar nicht angesteckt.
Man wird durch falsche Nasen nicht echter.
Sie sind nicht gut und nicht schlecht, sondern schlechter!
Sie hexen Laxin ins Konfekt.
Sie öffnen das Maul und sollten es schließen.
Die Ärmsten lachen sich nichts als schief.
Sie brüllen und sagen: Es sei zum Schießen.
Sie schneiden Gesichter, als müßten sie niesen,
und lachen im Konjunktiv.
Sie würden lieber die Hände ballen
und lachen nicht frei, sondern lachen vom Blatt.
Sie feiern die Feste, nur wenn sie fallen.
Sie lachen nicht selber, sondern mit allen!
Sie lachen nur gegen Rabatt.
Fast hätte man Lust, sie zu bedauern.
Es ist nicht nötig und bleibt nicht so.
Im März, da dürfen sie wieder versauern.
Da dürfen sie wieder jammern und trauern -
und sind darüber froh.
Erich Kästner