|

Persönlicher
Eindruck meiner Reise nach Ghana (Mai 2010)
Hier möchte ich ein paar persönliche
Eindrücke wiedergeben. Meine erste
Ghana-Reise, 19 Tage, somit
muss ich mich noch als simpler,
'oberflächlicher' Tourist
bezeichnen. Jedoch habe ich durch intensiven Austausch ein vielfältiges theoretisches Hintergrundwissen.
Vier mal habe ich Kenia bereist und nun
meinen Fokus nach West-Afrika
gerichtet. Immer mit dem
Hintergedanken, ein Plätzchen für ein kleines Ferien/Zweitheim zu
finden, um den grauen, kalten Wintermonaten hier zu entfliehen.

Ich war mehrmals in Asien, Thailand sowie in
Sri Lanka; habe im warmen Europa viele Länder erkundet. Aber die selbe
Faszination wie in Afrika konnte ich nicht verspüren, obwohl die Natur in Asien natürlich gigantisch ist.
Mit großen Erwartungen kam ich nun
nach Ghana.
Ja, ich mag Ghana... es ist farbenfroh, abwechslungsreich in der Landschaft, in der Hauptstadt hektisch-betriebsam, ländliche Gegenden einfach und genügsam. Besonders grün, da regenreicher und bergiger, ist die Volta-Region und Aburi.
Die Menschen sind offen, tolerant und freundlich. Ghana, ein vorherrschend stabiles und sicheres Land auf dem Kontinent Afrika mit seinen 53 Ländern.
Viele Länder bemühen sich, stabil und demokratisch zu werden, Kampf gegen die Korruption, Reformen durchzuführen. Doch es gibt noch viel zu tun. Ghana ist hier auf einem guten Weg, auch wenn das Licht am Ende des Tunnels noch weit weg ist ;-)
Jedoch sollte man -in Anbetracht der Idee eines Ferien- bzw. Zweitwohnsitzes- die Dinge auch ohne Urlaubsgefühl betrachten, mit kritischem Auge.
Ein
Ghanaer sagte zu mir vor einigen
Monaten: Wenn man ein besseres und
(Seelen)friedliches Leben möchte, sollte man Afrika verlassen
......" Aber - so möchte
ich das nicht
hinnehmen. Natürlich ist man in einer anderen Lage, wenn ein gesichertes Einkommen oder Pension in Deutschland zur Verfügung steht und man sich nicht mehr "das tägliche Brot" hart erarbeiten muss.

Vergessen darf man nicht, dass man als Europäer immer als 'reich' angesehen wird. "Akwaaba" - willkommen" ! - freundlich wird man fast überall empfangen. Jedoch sieht man es oft als eine Selbstverständlichkeit, dass der 'Weißhäutige' der Zahlende ;-) ist. Großzügigkeit in Ehren, aber in Maßen und kontrolliert. Ein Lächeln, ein Augenzwinkern realistisch einschätzen ;-! Direkte Fragen nach Geld oder Geschenken diplomatisch behandeln.
Wie auch in Kenia war ich sofort
gefangen von den Farben, viel Grün, rote Erde, blauer Himmel....
Hitze, jedoch immer eine Brise um die Nase.
In diesen 19 Tagen bin ich gut 1700 km
herum gefahren worden; wer den Verkehr und die Straßen kennt, weiß,
wie viel Stunden ich ausschließlich im Auto verbracht habe.
Eigentlich schade. Für einen ersten Überblick jedoch nötig.
Mein Wunsch und die Idee steht... ich möchte
mir dort einen kleinen Zweitwohnsitz erschaffen (oder mieten) ... nur wo...?!?
Vorweg, ein sensibler,
ungeduldiger, 'penetranter Paragrafenreiter' kommt dort nicht klar.
Der wird wohl Tag für Tag verärgert sein. Also, deutsche
Pünktlichkeit, Konsumverhalten und die Armbanduhr erst mal ablegen ;-)
Eigentlich bietet Ghana für jeden
Anspruch und Geschmack etwas. Viel
Natur, Regenwälder, eher ein einfacheres, dörfliches Leben, strandnah am Tourismus (Cape Coast), hektische Großstadt oder auch die eher überschaubare, aber geschäftige Stadt, wie Kumasi.
hier Mankoadze Beach Resort

Die
Hauptstadt Accra, Verkehr,
Stau, Shopping-malls..... zeitaufwändig, nicht immer gute Luft. Wer business
sucht und geschäftiges Treiben, ist hier richtig.
Der Tourismus hält sich in Ghana bis jetzt sehr in Grenzen. Gerade das macht dieses Land für Afrika-Begeisterte interessanter. Natürlich gibt es auch ein paar Zielpunkte, die man ggf. gesehen haben muss. Dazu zähle ich unbedingt den Nationalpark Kakuum mit den Hängebrücken über dem tropischen Regenwald, den Akosombo-Staudamm (das nächste Mal auf meinem Programm) und Sklavenburgen sowie Museen. Interessen-abhängig findet jeder etwas in einem Ghana-Reiseführer.
Hotels und kleine Pensionen sind überall zu buchen vor Ort. Zu empfehlen ist das Kontrollieren -vor Bezug- des fans/aircondition, Wasserlauf Toilette/Dusche. Rechnen muss man immer mit Wasser- und Stromausfällen.

Reisen innerhalb des Landes ermöglichen die Kleinbusse (Tro-tro) oder Reisebusse problemlos, Zeit mitbringen ;-!
Wer West-Afrika kennenlernen will, ist in Ghana gut aufgehoben, es ist sicher eine Reise wert!
Da ich Ghana ja nicht nur als Urlaubsziel sehe, erlaube ich mir ein paar kritische Ansichten niederzuschreiben:
Was mich wirklich überrascht, das
Leben in Ghana ist teuer. Auch wenn man Basislebensmittel auf dem Markt
kauft.

Klar ist, die weisse Haut lässt den Preis steigen. Auch
für
den Einheimischen, wenn ein Obruni an seiner Seite gesichtet wird.
Also am besten, sich unsichtbar machen beim Einkaufen. Wenn man in den großen Supermärkten (wie Accra Mall am Motorway nach Tema, Koala Shopping Centre in Osu) kauft,
sind die Preise festgelegt. haben aber dementsprechendes Preisgefüge -
braucht man wirklich deutschen Kuchen, Seife, Joghurt .... ;-?!
Viele
Dinge, die man als "verwöhnter"
Europäer gewohnt ist, darf man dort als nicht garantiert sehen: - Wasser, Strom, öffentliche
Verkehrsmittel ... - die Achtung der
Gesetze, das empfindliche deutsche Gerechtigkeitsgefühl wird auf eine harte Probe gestellt (z. B. willkürliche Straßenkontrollen!)
Das
zeitweise immer noch korrupte System macht das Leben
dort für alle nicht einfach (oder tatsächlich einfacher ;-?!?) Ich musste schon öfters meinen Unmut
unterdrücken. Auflehnung oder Widersprache bringt einen nicht
weiter. In Deutschland kann man "das
Leben" leichter organisieren und verwalten. Als Beispiel, Busse,
Straßenbahnen, Schnellbahnen, Untergrundbahn garantieren stressfreie
Beförderung in kurzer Zeit.
In
Ghana kann man zu Stoßzeiten auch 2
Stunden in einer Warteschlange stehen um einen Platz in einem Bus
oder tro-tro zu ergattern. Manchmal haben Busse Stunden Verspätung.
Man hat kein eigenes Auto, wohnt etwas ausserhalb, z. B. in Tema und
will nach Accra in die Arbeit? Aufstehen um 3 oder 4 Uhr morgens ist
nötig.
Wenn man sich innerhalb Ghana
entscheidet zu reisen, sollte man eine extra Tasche Geduld und
Nachsicht einpacken ;-) und vor allem die Zeit vergessen. Schlechte Straßen, nicht nachvollziehbare, manchmal kostspielige Verkehrsdelikte ;-), am Ende könnte die Reise teurer werden als geplant.

Die Natur, die rote Erde - für mich
faszinierend. Aber auf der anderen Seite, hinterlässt der feine,
durchdringende rote Staub seine Zeichen. Auto, Schuhe, Kleidung
kommen einher mit schnelleren Abnutzungserscheinungen. Zur gleichen Zeit heißt es: Waschen,
Putzen, Waschen ... Kleidung, Autos, Immobilien = Wasser!
Thema Wasser: In Afrika sterben pro Jahr mehr Menschen an den Folgen von verschmutztem Wasser, als an Aids. Im net liest man, täglich! allein 5000 Kinder. Hier besteht dringend Handlungsbedarf; neben der Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose. Es ist nicht so, dass es
kein Wasser gibt in Ghana. Wasser ist da, auch das Rohrsystem
größtenteils. Aber oft funktioniert
es nicht
ordnungsgemäß, die Regierung bzw. communities sind nachlässig,
machen den Zugang schwierig und teuer. Anstatt
den Zugang zu Wasser zu erweitern, verfügbar
und erschwinglich zu machen für jedermann. Kinder und Frauen müssen oft noch Wasser auf dem Kopf
weit nach Hause tragen. Mit Wasserausfällen in Hotels und Pensionen ist zu rechnen.

Der Weg ist noch weit.... das
System, Korruption und Gier (das ist nicht
nur Afrika-typisch ;-) erlauben nur eine sehr langsame und manchmal eben keine nachhaltige Verbesserung und
Entwicklung.
Viele
Europäer, die dort leben,
separieren sich. Um in ihrem Lebensbereich das Beste daraus zu
machen. Das wäre eigentlich nicht
mein Ziel!
Und es zeigt ein falsches Bild der Europäer, als wären sie
arrogant, aber es ist nicht so. Die Umstände lassen ihnen oft keine
Wahl.
Subventionen in Millionenhöhe hinterlassen den Eindruck, als würden sie wirkungslos versickern. Anstatt mehr Erfolge in der Stärkung des Gesundheitssystems, Zugang zu Wasser, öffentlichem Verkehrsnetz, Sozial- und Schulsystem zu zeigen. Ich denke, hier ist eine Umstrukturierung der Unterstützung von Europa
und USA aus von Nöten. Wichtig nicht nur die fließenden $$. Beispiel Agrarhandel: Hier bräuchte es Hilfe und Unterstützung, NICHT in Form von Geldern. Es kann nicht richtig sein, dass der lokale Markt mit afrik. Produkten zerstört wird, durch die Einfuhr von Billigprodukten. Nötig wäre hier, Schulung und Beratung der Exportbedingungen der EU, Verpackungsstandards, unzulässigen Chemikalien - um die lokalen Produkte konkurrenzfähig zu machen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich möchte eine 'Sitte' erwähnen
(auch tribe-abhängig), die mir zu meiner Verwunderung aufgefallen
ist und viele Fragezeichen hinterließ:

Die
Beerdigungszeremonien, die
funerals. Am Samstag kann man fast überall diese Funerals antreffen. Da
werden tausende von Cedis
eingesetzt, in meinen Augen maßlos, hunderte von Plastikstühlen
gemietet, extra Kleidung genäht für die ganze Gesellschaft (die
manchmal bis zu 500 Personen betragen kann). Die komplette Zeremonie dauert bis
zu 5 Tagen. Einen Verstorbenen zu ehren ist in Ordnung. Aber hier
gehen oft ganze Familienvermögen/Grundstücke verloren; Kinder
können nicht mehr zur Schule gehen.... Für
mein europäisches Denken nicht
nachvollziehbar.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Leben in Accra - ein Thema ist der Verkehr. Ich bewundere so manchen Obruni (Weißhäutigen), wie er sich dort zurechtfindet, sich dem "rabiaten" Fahrstil anpassen kann. Aber, man kann ja alles lernen. Von allen Seiten wird überholt, gehupt, Frechheit siegt. Motorradfahren möchte ich in Accra nicht ;-! Zu den Stoßzeiten kann man für 10 Kilometer gut und gerne 2 Stunden unterwegs sein.
 Das System
kostet im Alltag Energie,
stört ab und an den Seelenfrieden. Und
nun meine Frage...
warum sollte man
freiwillig ein solches
Leben wählen? Gegen das 'einfache',
deutsche,
durchorganisierte, bürokratische, meist sozial-gesicherte, pünktliche Leben
eintauschen?!? Zumindest für ein
paar Monate im
Jahr...
Aus meiner Sicht: wir haben ein kleines Problem, das
Wetter.
Und manchmal das Miteinander.
Das
soziale (Familien)Netz, die vielen
Schlechtwetter-Monate lässt die Menschen in ihren Wohnungen
'ergrauen' und vereinsamen. Gehe ich an einem Schönwetter-Wochenende
an der Isar entlang, durch einen Park, sehe ich zu viele
Einzelpersonen, singles. Auf den Parkbänken sitzen alte Menschen,
allein. Nicht möglich in Afrika.

Die Faszination Afrika's..... die
Sonne und Wärme ..... die positive Lebenshaltung trotz manchmal
widriger Umstände...
Das Leben
spielt sich draussen ab.....
Menschen leben miteinander..... immer ein freundliches Wort,
man kann niemals einsam sein. Ein in Schweigen verfallener Bus?
Nicht möglich.
Gut, in Europa
gibt es unzählige
Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Hobbies gehören bei uns
zum Alltagsplan. Sportvereine,
Fitness-Studios, Konzerte, Kinos,
Ausstellungen....
all
dies findet man selten im Alltag in
Afrika. Auch einfach, weil keine Zeit dafür übrig ist. Das tägliche 'business', die Überlebensplanung erlaubt nicht viel Freizeit. Ich glaube,
momentan gibt es in der Millionenstadt Accra nicht mal ein Kino.

Ghana - hier soll mein "Zweitwohnsitz" geschaffen werden!

Cape Coast

Fortsetzung folgt.....
Verantwortlich für den Inhalt ist der Autor der Homepage. Kontakt
Kostenlose Homepage von rePage.de
- w -
Flirten und Bilder bewerten - Lovemission.de
|